Bereits im Mai 2025, dem Monat seiner Wahl, dachte Leo XIV. darüber nach, seine erste Papstreise nach Afrika. Es kam nie dazu, da er seine erste Reise schließlich in die Türkei und den Libanon unternahm. Doch besser spät als nie: Vom 13. bis 23. April besuchte der amerikanische Papst Afrika, beginnend mit dem Geburtsort des Heiligen Augustinus, dem heutigen Annaba in Algerien. Von Algerien im Norden reiste er nach Kamerun in Zentralafrika, dann nach Angola im Süden und schließlich im Westen nach Äquatorialguinea.
Seine Söhne und Töchter auf dem gesamten Kontinent, nicht nur in den vier Ländern, verfolgten seinen Besuch mit großer Begeisterung. Sie waren gespannt darauf, seine Stimme zu hören und ihm aufmerksam zuzuhören. Hier sind fünf Botschaften des Papstes, die Katholiken in Afrika von seinem apostolischen Besuch in Erinnerung behalten werden.
Ein Aufruf zum Frieden
Das Thema Frieden ist in den Lehren von Papst Leo XIV. allgegenwärtig. Es heißt, der Frieden werde sein Pontifikat prägen. Während seines Besuchs auf dem von bewaffneten Konflikten verwüsteten afrikanischen Kontinent rief der Papst Gläubige und staatliche Autoritäten gleichermaßen zum Frieden auf. Frieden, so sagte er in Yaoundé, Kamerun, «kann nicht verordnet werden: Er muss gelebt und angenommen werden.».
Wahrer Frieden ist sowohl «unbewaffnet» als auch «entwaffnend». Er ist unbewaffnet, weil er «nicht auf Angst, Drohungen oder Waffen beruht». Er entwaffnet, «weil er Konflikte lösen, Herzen öffnen und Vertrauen, Empathie und Hoffnung schaffen kann». Er sollte nicht auf einen bloßen Slogan reduziert werden, sondern «muss in einer Lebensweise verkörpert sein, die jede Form von Gewalt, sowohl persönliche als auch institutionelle, ablehnt».
In Algier schlug der Papst den interkulturellen und interreligiösen Dialog als einen bereichernden Weg zu Frieden und Einheit vor. Er hob Algeriens einzigartige Identität als «Brücke zwischen Nord und Süd sowie zwischen Ost und West» hervor und rief dazu auf, die «gegenseitige Bereicherung der Völker und Kulturen» zu fördern und so «die Oasen des Friedens zu vervielfachen».
Führung bedeutet Dienst
Der Papst sprach deutlich über die große Verantwortung, die Politiker und staatliche Autoritäten gegenüber den Bürgern tragen. In Yaoundé rief er sie eindringlich dazu auf, die «Ketten der Korruption» zu sprengen, die «die Autorität entstellen und ihrer Glaubwürdigkeit berauben». In Algier forderte Leo XIV. die Staats- und Regierungschefs auf, sich für Frieden und Gerechtigkeit einzusetzen, die Würde aller zu wahren und sich «vom Leid anderer berühren zu lassen, anstatt Missverständnisse und Konflikte zu schüren». Sie sind aufgerufen, durch die Förderung der Zusammenarbeit zum Wohle aller zu führen, ohne nach Herrschaft zu streben. Führung bedeutet, anderen zu dienen und sich «mit klarem Verstand und reinem Gewissen dem Gemeinwohl aller Bürger des Landes zu widmen».
In Luanda, Angola, riet der Papst den führenden Persönlichkeiten, sich nicht vor Meinungsverschiedenheiten zu fürchten. Sie sollten weder «die Ideen junger Menschen noch die Träume ihrer Älteren unterdrücken, sondern vielmehr lernen, Konflikte zu bewältigen und sie in Wege der Erneuerung zu verwandeln.».
Papst Leo warnte eindringlich vor einer «götzendienerischen Profitgier» und einer «Logik des Extraktivismus», die viele in Armut zurücklässt. Stattdessen plädierte er für «wahren Profit», der das Ergebnis einer «ganzheitlichen menschlichen Entwicklung» sei.
Christus stillt unseren Hunger und Durst nach Gerechtigkeit.
Papst Leo XIV. erkannte den großen Hunger und Durst nach Gerechtigkeit, der weltweit zu beobachten ist. «Wir leben in einem Zeitalter, in dem Hoffnungslosigkeit grassiert und ein Gefühl der Ohnmacht die von den Völkern so sehr ersehnte Erneuerung zu lähmen droht. Es gibt einen solchen Hunger und Durst nach Gerechtigkeit! Einen Durst nach Engagement, nach Visionen, nach mutigen Entscheidungen und nach Frieden!».
Jedes menschliche Herz sehnt sich nach Freiheit. In einer Predigt in Suarimo, Angola, verkündete der Papst: «Wir sind nicht geboren, um Sklaven der Verderbnis des Fleisches oder der Seele zu sein: Jede Form von Unterdrückung, Gewalt, Ausbeutung und Unehrlichkeit leugnet die Auferstehung Christi, das höchste Geschenk unserer Freiheit.».
In Christus wird dieser Hunger endgültig gestillt: «Durch das Passahfest Jesu, den endgültigen Auszug, werden alle Völker von der Knechtschaft des Bösen befreit. Indem wir dieses heilbringende Geheimnis feiern, ruft uns der Herr zu einer entscheidenden Wahl auf: “Wer glaubt, hat das ewige Leben”» (Predigt in Malabo, Äquatorialguinea).
Junge Menschen voller Hoffnung sind unbezahlbare Schätze.
Der Papst wandte sich mit großer Begeisterung an die jungen Menschen, die ihn begrüßten. In Yaoundé bezeichnete er sie als «Hoffnung des Landes und der Kirche» und betonte, dass «ihre Energie und Kreativität unschätzbare Schätze sind». Junge Menschen seien unverzichtbar für den Frieden. «Wenn Arbeitslosigkeit und soziale Ausgrenzung anhalten, kann Frustration zu Gewalt führen. Investitionen in die Bildung, Ausbildung und den Unternehmergeist junger Menschen sind daher eine strategische Entscheidung für den Frieden. Nur so lässt sich die Abwanderung hochbegabter Menschen in andere Teile der Welt eindämmen. Nur so können wir auch die Geißeln von Drogen, Prostitution und Apathie bekämpfen, die immer mehr junge Leben auf dramatische Weise zerstören.».
Der Papst appellierte an den freudigen und hoffnungsvollen Geist der afrikanischen Jugend und bezeichnete sie als «Reservoir der Hoffnung und Freude» der Welt, weil sie «weiterhin träumen und hoffen. Sie geben sich nicht mit dem Bestehenden zufrieden; sie streben danach, sich zu verbessern, sich auf große Verantwortung vorzubereiten und aktiv an der Gestaltung ihrer eigenen Zukunft mitzuwirken.» (Ansprache in Luanda)
Ihr Durst nach Hoffnung, so sagte Papst Leo XIV. den jungen Menschen, wird von Christus gestillt, der eine «Zukunft der Hoffnung» verheißt. Keine «unbekannte Zukunft, die wir passiv erwarten müssen, sondern eine, die wir selbst mit Gottes Gnade gestalten sollen.» (Predigt in Mongomo, Äquatorialguinea)
Der Papst rief junge Menschen dazu auf, ihrer Berufung zu folgen und «Priester, Ordensschwestern, Mönche oder Katecheten» zu werden oder den Bund der Ehe einzugehen. «Seid bereit», mahnte er, «diese Berufung als einen Weg wahrer Liebe anzunehmen, der in Freiheit wächst; als einen Weg der Hoffnung, geboren aus der Gewissheit, dass Gott euch niemals verlässt; und als einen Weg der Heiligkeit, auf dem ihr stets nach dem Wohl und Glück anderer strebt» (Ansprache in Bata, Äquatorialguinea).
Die Mission der Universität
An der Katholischen Universität von Yaoundé erläuterte der Papst die Mission der Universität «in einer Zeit, in der viele Menschen weltweit ihre spirituelle und ethische Orientierung zu verlieren scheinen». In diesen Zeiten «zeichnet sich die Universität als ein besonderer Ort der Freundschaft, der Zusammenarbeit und zugleich der Besinnung und Reflexion aus. Schon seit ihren Anfängen im Mittelalter haben ihre Gründer die Wahrheit zu ihrem Ziel gemacht.».
Der Papst mahnte, dass Lehre und Forschung an der Universität offen sein müssten für das «wohlwollende Licht» des Glaubens. Es sei notwendig, «über den Glauben im Kontext der gegenwärtigen kulturellen Gegebenheiten und aktuellen Herausforderungen nachzudenken».
Universitäten müssen Orte sein, an denen konstruktive Kritik an Neuem gefördert wird. Afrikanische Universitäten sind aufgerufen, «Vorreiter eines neuen Humanismus im Kontext der digitalen Revolution zu sein». Der Papst wies auf die Gefahren hin, die mit neuen Technologien einhergehen, und betonte die Notwendigkeit authentischer menschlicher Interaktion.





