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Glaubenskrise in Deutschland: Kirche verliert Millionen von Gläubigen

In Deutschland gibt es immer weniger Katholiken. Das geht aus Daten hervor, die kürzlich in einem gemeinsamen Bericht der Deutschen Bischofskonferenz und des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland veröffentlicht wurden.

José M. García Pelegrín-4. April 2025-Lesezeit: 4 Minuten
Deutschland

Ein Mann verlässt eine leere Kirche in Deutschland (OSV News Foto / Harald Oppitz, Reuters)

Kürzlich veröffentlichte Statistiken über die Mitgliedschaft in der katholischen Kirche in Deutschland und der "Evangelischen Kirche in Deutschland" (EKD) zeigen einen besorgniserregenden Trend auf. Obwohl die Austrittsrate seit ihrem Höchststand im Jahr 2022 leicht zurückgegangen ist, bleiben die Zahlen für beide Institutionen alarmierend.

Laut dem gemeinsamen Bericht der Deutsche Bischofskonferenz (DBK) und des Rates der EKD ist die Zahl der Anhänger der katholischen Kirche auf etwa 19,8 Millionen gesunken, was 23,7 % der Gesamtbevölkerung entspricht. Die EKD hat 17,98 Millionen Mitglieder, was 21,61 PT3T der 83,6 Millionen Einwohner Deutschlands entspricht. Die anderen religiösen Gruppen, einschließlich der Orthodoxen, der von der EKD unabhängigen Evangelikalen und IslamDie Gesamtzahl der religiösen Bekenntnisse in Deutschland beträgt 10,9 %. Diese Verteilung bedeutet, dass 43,8 % der deutschen Bevölkerung sich offiziell zu keiner Religion bekennen, was den unaufhaltsamen Fortschritt der Säkularisierung und den Rückgang der institutionellen Religiosität zeigt.

Teilnahme an den Sakramenten

Die Krise spiegelt sich nicht nur in den Mitgliederzahlen wider, sondern auch in der Teilnahme an den Sakramenten. Im Jahr 2024 verzeichnete die katholische Kirche etwa 116.000 Taufen, ein deutlicher Rückgang gegenüber 131.000 im Vorjahr. Die evangelischen Landeskirchen meldeten etwa 110 000 Taufen. Noch dramatischer ist der Kontrast, wenn man ihn mit den Zahlen von vor zwei Jahrzehnten vergleicht: Im Jahr 2003 feierte die katholische Kirche 206.000 Taufen und die evangelischen Kirchen 227.500. Auch der regelmäßige Gottesdienstbesuch ist stark zurückgegangen, von 15,2 % der Katholiken im Jahr 2003 auf 6,6 % im Jahr 2024.

Ein besonders besorgniserregender Indikator ist der drastische Rückgang der Priesterberufungen. Im Jahr 2024 wurden in ganz Deutschland nur noch 29 Männer zu katholischen Priestern geweiht, was auf eine schwere Krise beim Generationswechsel im Klerus hinweist.

Die kirchliche Krise in Deutschland

Verschiedene Theologen und Religionsführer haben diese kirchliche Krise in Deutschland eingehend analysiert. Georg Bätzing, Bischof von Limburg und Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, hat die Situation als "alarmierend" bezeichnet und Reformen zur Wiederherstellung des gesellschaftlichen Vertrauens gefordert. Bätzing argumentiert, dass Reformen allein die Krise nicht lösen werden, ihr Ausbleiben die Situation aber nur verschlimmern wird. Er betont, wie wichtig es ist, die Präsenz der Kirche im Sozial- und Bildungsbereich zu stärken, um ihre Relevanz zu erhalten.

Kirsten Fehrs, Vorsitzende des Rates der EKD, räumt ein, dass die Kirchenmitgliedschaft zwar keine soziale Konstante mehr ist, aber als Quelle geistiger Unterstützung und Hilfe in kritischen Zeiten weiterhin von großer Bedeutung ist. Sie unterstreicht, dass die Kirche ein Ort der Begegnung sein muss, der den Dialog fördert und den sozialen Zusammenhalt stärkt.

Professor Jan Loffeld, Priester der Diözese Münster und Professor für katholische Theologie in Tilburg (Niederlande), ist der Ansicht, dass der Trend zur Säkularisierung unumkehrbar ist, und geht davon aus, dass die Kirche nach und nach zu einer kleineren Minderheit werden wird. In seiner Analyse weist Loffeld darauf hin, dass das Zweite Vatikanische Konzil die Idee einer Kirche "in der Welt" und nicht "gegen die Welt" förderte, allerdings in einem sozialen Kontext, der sich wesentlich von dem heutigen unterscheidet. Er ist der Ansicht, dass Evangelisierung und Strukturreformen heute nicht ausreichen, um die Krise zu überwinden.

Mangelndes Interesse an Religion

Gregor Maria Hoff, Professor für Fundamentaltheologie und Ökumenische Theologie in Salzburg, stimmt zu, dass die heutige Gesellschaft das Interesse an traditionellen religiösen Fragen verloren hat. Er schlägt vor, dass die Kirche "neue Kontaktzonen" in Bereichen ausfindig machen sollte, in denen sie ihre Relevanz aufrechterhalten kann, wie etwa in Bildungseinrichtungen und im sozialen Bereich, anstatt sich in dogmatischen Positionen zu isolieren, die in der Bevölkerung kein Interesse wecken.

Thorsten Latzel, Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, kontextualisiert den religiösen Niedergang in einem breiteren Prozess der De-Institutionalisierung, der auch politische und gewerkschaftliche Organisationen betrifft. Diese Perspektive legt nahe, dass der Verlust des kirchlichen Einflusses einen tieferen kulturellen Wandel im Verhältnis zwischen Individuen und traditionellen Institutionen widerspiegelt.

Der Soziologe Detlef Pollack hat in den letzten fünf Jahren eine Zunahme der antireligiösen Einstellungen in der deutschen Gesellschaft festgestellt. Er stellt einen Rückgang der Wertschätzung religiöser Feiertage fest, obwohl er darauf hinweist, dass aktive Kirchgänger die Kirche nach wie vor als einen Raum der Gemeinschaft und des Respekts schätzen. Die Abkopplung der Mehrheit vom kirchlichen Leben verstärkt jedoch Vorurteile und erschwert die Bemühungen, auf die Menschen zuzugehen.

Säkularisierung in Deutschland

Der Rückgang sowohl der katholischen als auch der evangelischen Mitgliederzahlen in Deutschland ist Ausdruck eines seit Jahrzehnten andauernden Säkularisierungsprozesses. Hohe Schulabbrecherquoten und ein Mangel an Priesterberufen offenbaren eine strukturelle Krise, die nur schwer zu lösen ist. Während einige Kirchenführer Reformen und eine evangelistische Erneuerung vorschlagen, weisen Experten darauf hin, dass diese Maßnahmen möglicherweise nicht ausreichen, um dem Abwärtstrend entgegenzuwirken.

Eine Umfrage der "Aachener Zeitung" unter ihren Lesern in der traditionell katholischen Region Aachen verdeutlicht den Verlust des kirchlichen Einflusses. Der Aussage "Es ist traurig, dass immer mehr Menschen aus der Kirche austreten" stimmten nur 25 % zu, während 69 % nicht zustimmten (6 % ns/nc). Obwohl die Umfrage statistisch nicht repräsentativ ist, spiegelt sie das derzeitige gesellschaftliche Klima wider.

Angesichts dieser Realität wird die Kirche ihre Rolle in der deutschen Gesellschaft neu definieren müssen. Vor mehr als einem halben Jahrhundert warnte der damalige Professor Joseph Ratzinger in der "Einführung in das Christentum" (1968) davor, dass die Kirche zu einer Minderheit werden und viele ihrer Privilegien verlieren würde. Schon als Papst Benedikt XVI. hat er immer wieder darauf hingewiesen, dass sich die Gläubigen als "schöpferische Minderheit" verstehen müssen, die in der Lage ist, die geistigen Grundlagen Europas zu bewahren. Die Schlüsselfrage ist, wie diese "kreative Minderheit" ein Sauerteig in einer Welt bleiben kann, die sich zunehmend von der Religion zu lösen scheint.

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